Kolumne | Über das Erinnern
Erinnern geschieht oft, ohne dass wir es bewusst planen und steuern.
Ein Sommerregen, der nach warmem Stein riecht. Ein Lied aus dem Radio,
zwei Takte – und plötzlich steht ein Mensch vor uns, der fehlt. Erinnerungen
wohnen selten im Kopf allein.
Sie liegen in Stofffasern, in alten Notizen, in der Art, wie jemand eine Tasse
hielt. Manchmal genügt das Knistern einer Papiertüte, und wir sind wieder
in einer Küche von früher. Oder ein Duft von Apfelkuchen, und das Herz weiß
sofort, wer gemeint ist.
Ich erlebe oft, wie tröstlich diese Momente sein können. Nicht, weil sie Schmerz
wegnehmen. Sondern, weil sie Verbindung spürbar machen – leise und wahr.
Erinnern heißt nicht festhalten, sondern berühren und weitergehen. So, dass Liebe
Platz findet – ohne zu drücken.
Vielleicht dürfen Erinnerungen genau das: kommen und gehen wie Wellen.
Nicht auf Kommando, nicht perfekt – aber verlässlich genug, um uns zu tragen.
Und manchmal bringen sie etwas mit: einen Gedanken, ein Lächeln, einen Schritt
mehr Frieden.
Vielleicht hören Sie in diesen Tagen ein Lied von früher. Oder öffnen eine Schublade
mit Dingen, die nach jemandem riechen, den Sie lieben.
Bleiben Sie einen Moment bei diesem Gefühl – und nehmen Sie es doch einfach mit,
in Ihren Tag.
Herzlichst Ihr Kai Rohlfes | 08.08.2026
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Quelle: Rohde + Rohlfes Bestattungen